In Herne beim Spielewahnsinn hatte ich die Gelegenheit das kommende große Brettspiel von Uwe Rosenberg zu spielen. Der gute Mann hat zurzeit einigen Erfolg mit seinen großen Brettspielen. Bekannt geworden durch das eher kleine und feine Kartenspiel BOHNANZA, hat er 2007 mit dem materialaufwändigen Brettspiel AGRICOLA einen weiteren großen Wurf getan und die Spielerszene erobert. Im letzten Jahr folgte ein weiteres großes Brettspiel namens LE HAVRE. Und in diesem Jahr wird es mit VOR DEN TOREN VON LOYANG weiter gehen.
Uwe Rosenberg erklärt in Herne sein VOR DEN TOREN VON LOYANG - ich versuche mir krampfhaft alle Regeln zu merken...Bei VOR DEN TOREN VON LOYANG müssen die Spieler eine möglichst produktive Felderwirtschaft aufbauen. Jeder Spieler hat ein eigenes, T-förmiges Spieltableau auf dem sich Platz für einen Warenladen und eine Siegpunktleiste, hier Wohlstandsleiste, findet. Weiter wird vorgegeben, wo welche Karten zu platzieren sind. Oberhalb der eigenen Ablage ist Platz für Felder. Felder kommen jeder Runde neu ins Spiel, doch zu Anfang hat jeder Spieler nur ein Stammfeld. Dieses hat die größte Kapazität und fasst neun Rohstoffe. Im eigenen Felderstapel befinden sich weitere Felder in der Kapazitätsgröße zwischen sechs und drei Rohstoffen. Die Spieler müssen im Spiel auf diesen Feldern ihre Rohstoffe anpflanzen und immer wieder ernten, damit sie ihre Aufträge und Verträge erfüllen können. Denn nur so verdient man Geld. Doch nicht auf jedem Feld darf jeder Rohstoff angebaut werden. Grundsätzlich wird nur ein Rohstoff pro Feld angebaut. Und je kleiner das Feld, desto größer werden die Möglichkeiten. Dazu muss man nun die Rohstoffe kennen. Es gibt sechs verschiedene und sie haben eine aufsteigende Wertigkeit. So ist der günstigste Rohstoff Blau im eigenen Laden schon für drei Gelder zu haben. Rohstoff Rosa ist mit sechs Geldern der teuerste. Auf einem Feld mit Kapazität drei kann beispielsweise jeder Rohstoff angebaut werden. Auf einem Feld mit Kapazität Vier können alle Rohstoffe außer Rosa angepflanzt werden.
Das Spiel beginnt, nachdem man einen Blick in seine vier Startkarten geworfen hat. Denn man muss nun eine Rohstoffstorte anpflanzen. Das Stammfeld macht es möglich die günstigsten drei Rohstoffe anzubauen, wobei man sich für einen entscheiden muss. Man legt einen Rohstoff aus seinem Lager auf das Feld und: Plop! Alle Plätze des Feldes sind belegt! Der Rest der Rohstoffe, die nun das Feld füllen, wird aus dem allgemeinen Vorrat automatisch aufgefüllt. Ab sofort kann geerntet werden. Das Stammfeld fungiert als Rundenzähler. Jede Runde darf man in der Erntezeit, gleich zu Beginn, von all seinen Feldern einen Rohstoff nehmen. Ersteinmal ist dies bloß das Stammfeld. Neun Rohstoffe auf dem Stammfeld – neun Runden. Ist der letzte Rohstoff vom Stammfeld abgeerntet, befindet sich das Spiel in der letzten Runde.
Jeder Spieler hat zu Beginn also vier Karten auf der Hand. Ist man am Zug muss man sich entscheiden eine Karte in die Mitte des Tisches zu legen, in einen gemeinsamen Pool, oder auszusteigen und zwei Karten in die eigene Auslage zu nehmen. Allerdings muss man dafür eine Karte von der Hand und eine aus dem Pool nehmen. Nie zwei aus dem Pool oder gar zwei von der Hand! Hat man zwei interessante Karten auf der eigenen Hand, muss man eine in die Mitte legen, will man sie später in der eigenen Auslage platzieren können. Damit wird klar, dass der Startspieler vorlegen muss. Er ist der Einzige, für den noch keine Karte in der Mitte liegt. Wer aussteigt legt also Karten in seine Auslage und nimmt an dem weiteren Verlauf der Kartenphase nicht mehr teil. Wer als Vorletzter aussteigt bekommt einen kleinen, der Letzte in der Runde einen großen Spielstein. Der Spieler mit dem großen Spielstein wird Startspieler der Aktionsphase.
Ralph von Hall Games hat mir netterweise eine weitere,kleine Vorschau auf das kommende Spielmaterial geschickt.
Wir präsentieren also: Die Münzen!!!
Zusätzlich muss im Spiel zu viert in dieser Phase ein weiterer Aspekt bedacht werden. Der Startspieler sucht sich einen Partner aus. Und zwar darf das nicht der Mitspieler mit dem kleinen Spielstein sein. Alle interaktiven Karten können in der folgenden Aktionsrunde nur auf den Spielpartner gespielt werden. So kann man entweder versuchen den richtigen Mitspieler zu finden oder versuchen, den falschen zu vermeiden. Ein sehr trickreicher Kartenmechanismus, dessen Möglichkeiten eine sehr taktische Spielweise zu lassen. Zusätzlich wird dieses Spiel nun aufgeteilt. Zu viert werden nach der Kartenphase zwei Zweipersonenspiele gespielt. So bekommt man zwar weniger von dem mit, was die anderen beiden Spieler so treiben, aber es drückt die Spielzeit nach unten und so erlebt man das Spiel intensiver. In meinen Augen ein sehr interessanter Ansatz! Einmal der trickreiche Kartenmechanismus, andererseits das fokussierte Spiel zu viert. Zu zweit und zu dritt spielt man einfach hintereinander weg, natürlich in der Reihenfolge des Aussteigens in der Kartenphase. Das alles hat die Auswirkung, dass das Zweipersonenspiel zwar immer noch am schnellsten zu spielen ist. Allerdings das Dreipersonenspiel doch etwas länger dauert, als das Spiel zu viert, da man mit zwei Mitspielern interagieren kann und muss. Und wir reden hier von einer Spielzeit um die zwei Stunden. Da das Vierpersonenspiel sonst sehr ausufern würde, finde ich die Idee von Uwe Rosenberg sehr schön.
Was für Karten sind das denn überhaupt, die wir da versuchen zu bekommen? Auf der linken Seite der eigenen Auslage sind Marktstände und Personen auszulegen. Auf Marktstände werden die drei angegebenen Rohstoffe gelegt und können nun 1:1 oder 2:1 getauscht werden. Je nach Marktstand. Personen ermöglichen Sonderaktionen, und sind teilweise auf die anderen Spieler anzuwenden. Die dicke Kohle wird auf der anderen Seite des eigenen Spielfeldes gemacht. Oben liegen die Verträge. Dort muss vier Runden lang eine Kombination von zwei Rohstoffen geliefert werden, wofür es Geld gibt. Schafft man das nicht, droht eine Konventionalstrafe. Die unten liegenden Aufträge geben zwar sofort mehr Geld, sind langfristig aber immer wieder anders. Denn ein Auftrag wird nur einmalig irgendwann beliefert. Eine Konventionalstrafe steht nicht aus. Sobald er erfüllt wurde, wird der Auftrag abgelegt und ein neuer verlangt wieder ganz andere Rohstoffe, die ich mir eventuell wieder durch Marktstände besorgen muss. Und Anbauen dauert etwas. Daher sind die Verträge langfristig besser planbar. Hier muss vier Runden lang etwas Bestimmtes geliefert werden. Darauf kann man sich einstellen.
Miriam nimmt es mit Galgenhumor, dass sie kurz vor einer grandiosen Niederlage steht.Gute Gastgeber! Ich bin noch am Grübeln, was ich in dieser Kartenphase denn noch gerne behalten möchte und was ich in die Mitte lege...
Ein Problem gibt es aber noch bei den Aufträgen. Damit die Spieler nicht einfach auf die Idee kommen, sich immer nur die leichten Aufträge zu nehmen, gibt es doch eine Art Strafe für allzu einseitiges Handeln. Wer mehr Aufträge als Verträge ausliegen hat, muss den Ertrag eines erfüllten Auftrages um zwei Geldeinheiten reduzieren. So werden wiederum die Verträge gestärkt. Aufwendiges und anspruchsvolleres Planen wird belohnt.
In der Aktionsphase, die der Kartenphase folgt, kann der Spieler eine Vielfalt an Aktionen durchführen. Aussähen auf neuen Feldern, Aufträge und Verträge erfüllen, Marktstände nutzen um seine Waren umzutauschen, im Laden ein- oder verkaufen, Kredite aufnehmen oder weitere Karten kaufen. Und natürlich die vielen Helfer einsetzen. 20 verschiedene Helfer gibt es im Spiel. Sie machen besondere Aktionen möglich, verschaffen Rohstoffe günstig, lassen mich Verträge meiner Mitspieler erfüllen, ermöglichen einen besseren Ernteertrag und vieles mehr.
Ist man mit seinen Aktionen durch geht es darum den eigenen Wohlstand zu mehren. Auf der Wohlstandsleiste sind 19 Felder. Von der Eins bis zur Zwanzig, nur die Zwei fehlt. Pro Runde kann ich mir den Schritt auf das nächste Feld vor meinem Spielstein für nur ein Geld kaufen. Jeder weitere Schritt kostet das, was aufgedruckt ist. So wird einem schnell klar, dass die weiteren Schritte zu Anfang noch am günstigsten sind. Zu einem Zeitpunkt, zu dem ich noch nicht so viel Geld angehäuft habe, denn die Rohstoffproduktion kommt langsam in Schwung. Gehe ich früh mehrere Schritte, beschneide ich mich in meinen Möglichkeiten. Nur später brauche ich viel mehr Geld! Ein Dilemma das Spaß macht!
Am Ende der neunten Runde hat derjenige Spieler gewonnen, der auf der Wohlstandsleiste am weitesten gekommen ist. Kredite bezahlt man teuer mit einem Schritt zurück! So will jeder Kredit gut überlegt sein. Ein Abbezahlen während des Spiels ist nicht möglich!
Insgesamt gefällt mir VOR DEN TOREN VON LOYANG ausgesprochen gut. Das Spiel ist nicht so komplex wie Le Havre oder Agricola, aber auch nicht so intuitiv wie Letzteres. Ein hohes Maß an planerischer Voraussicht ist erforderlich, um in diesem Spiel möglichst wohlhabend zu werden. Das Dilemma aus Agricola und Le Havre, ob man nun ein Nachschubfeld leert oder eine Aktion ausführt, gibt es hier nicht. Die Rohstoffe kommen von ganz alleine, so man sie denn anpflanzt. Durch die interaktiven Karten und die Kartenphase kommt durchaus spannende Interaktion in das Spiel, die man sicherlich auch beachten muss. Doch das Hauptsspiel spielt jeder an seiner eigenen Auslage und daher wird sich VOR DEN TOREN VON LOYANG auch gefallen lassen müssen, dass man eher vor sich hinspielt. Ich empfinde den geringen Interaktionsanteil in der Aktionsphase nicht als Nachteil. Dieses Spiel lebt davon, dass man seine Produktion ausbaut. Und das ist für mich sehr reizvoll.
In der Aktionsphase, die der Kartenphase folgt, kann der Spieler eine Vielfalt an Aktionen durchführen. Aussähen auf neuen Feldern, Aufträge und Verträge erfüllen, Marktstände nutzen um seine Waren umzutauschen, im Laden ein- oder verkaufen, Kredite aufnehmen oder weitere Karten kaufen. Und natürlich die vielen Helfer einsetzen. 20 verschiedene Helfer gibt es im Spiel. Sie machen besondere Aktionen möglich, verschaffen Rohstoffe günstig, lassen mich Verträge meiner Mitspieler erfüllen, ermöglichen einen besseren Ernteertrag und vieles mehr.
Ist man mit seinen Aktionen durch geht es darum den eigenen Wohlstand zu mehren. Auf der Wohlstandsleiste sind 19 Felder. Von der Eins bis zur Zwanzig, nur die Zwei fehlt. Pro Runde kann ich mir den Schritt auf das nächste Feld vor meinem Spielstein für nur ein Geld kaufen. Jeder weitere Schritt kostet das, was aufgedruckt ist. So wird einem schnell klar, dass die weiteren Schritte zu Anfang noch am günstigsten sind. Zu einem Zeitpunkt, zu dem ich noch nicht so viel Geld angehäuft habe, denn die Rohstoffproduktion kommt langsam in Schwung. Gehe ich früh mehrere Schritte, beschneide ich mich in meinen Möglichkeiten. Nur später brauche ich viel mehr Geld! Ein Dilemma das Spaß macht!
Am Ende der neunten Runde hat derjenige Spieler gewonnen, der auf der Wohlstandsleiste am weitesten gekommen ist. Kredite bezahlt man teuer mit einem Schritt zurück! So will jeder Kredit gut überlegt sein. Ein Abbezahlen während des Spiels ist nicht möglich!
Insgesamt gefällt mir VOR DEN TOREN VON LOYANG ausgesprochen gut. Das Spiel ist nicht so komplex wie Le Havre oder Agricola, aber auch nicht so intuitiv wie Letzteres. Ein hohes Maß an planerischer Voraussicht ist erforderlich, um in diesem Spiel möglichst wohlhabend zu werden. Das Dilemma aus Agricola und Le Havre, ob man nun ein Nachschubfeld leert oder eine Aktion ausführt, gibt es hier nicht. Die Rohstoffe kommen von ganz alleine, so man sie denn anpflanzt. Durch die interaktiven Karten und die Kartenphase kommt durchaus spannende Interaktion in das Spiel, die man sicherlich auch beachten muss. Doch das Hauptsspiel spielt jeder an seiner eigenen Auslage und daher wird sich VOR DEN TOREN VON LOYANG auch gefallen lassen müssen, dass man eher vor sich hinspielt. Ich empfinde den geringen Interaktionsanteil in der Aktionsphase nicht als Nachteil. Dieses Spiel lebt davon, dass man seine Produktion ausbaut. Und das ist für mich sehr reizvoll.
Ein paar erste Karten- zwei Marktstände, zwei Laufkunden (im Prototypen noch Aufträge) und drei Helfer
Das Spiel wird, wie wahrscheinlich schon vielen bekannt, nicht bei Lookout Games erscheinen. Der Zwei-Mann-Kleinverlag ist mit dem Erfolg von AGRICOLA und dem weiterhin aktuellen Spiel LE HAVRE völlig ausgelastet. Daher hob Uwe Rosenberg mit neuem Partner den Verlag Hall Games aus der Traufe. Die Gestaltung wird wieder von Klemens Franz übernommen, der ja auch schon AGRICOLA und LE HAVRE so schön illustriert hat. Erste, bei Boardgamegeek veröffentlichte Illustrationen lassen den Fan der anderen beiden Spiele schon wieder jubilieren!



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