Tag 1
So! Um 21.30 Uhr waren wir wieder zu Hause. Um 18.00 Uhr spielten wir noch PANDEMIE. Nach acht Stunden Messe hier die ersten Eindrücke:
Wir kamen rein und hatten direkt IM WALD DA SIND DIE RÄUBER vor der Nase. Das erste Brettspiel von Krimsu (Obwohl gar kein Brett dabei!) wollten wir uns auf jeden Fall angucken. Nach kurzer Erklärung wurde ein Platz frei und wir haben uns kurzentschlossen zu einer Partie entschieden. Zu zweit. Bei dem Spiel handelt es sich um ein Plättchenlege- und Zugspiel. Die Story dreht sich um ein altes Volkslied, das auch dem Spiel seinen Titel lieh. Der Text ist in der Regel abgedruckt, die Melodie kennen muss man selber... Jeder hat eine Räuberhöhle in die er fünf verschiedene Schätze bringen muss. Diese tauchen immer dann auf, wenn ein neues Plättchen den Wald erweitert und ein Gebäude drauf ist. Wenn es ein Jagdschloss ist, sind sogar zwei Schätze drauf. Zu zweit hatten wir drei Räuber, die von der Räuberhöhle aus den Wald unsicher machen. Entweder sammeln wir Schätze oder wir sammeln das "Kleine Mädchen", in das wir so verliebt sind, und bringen es zum Brombeerstrauch in der Mitte. Dabei stört uns ein Gardist, der von Bauernhof zu Bauernhof tingelt und alle Räuber auf dem Weg ohne Schatz oder huckegepacktes Mädchen ins Lager zurückschickt. Ein Zug umfasst als erstes ein zu legendes Plättchen, dann vier (später fünf unf sechs) Aktionspunkte fürdie Räuber und einen Würfelwurf (W4) für den Gardisten, dessen Weg vorgezeichnet ist. Sonderaktionen erlauben sechs Plättchen. Bier macht und schneller und ein kleiner Gehilfe schubst die Schätze über die Plättchen. Drei Runden werden gespielt, nach jeder gibt es eine Wertung der Schätze. Am Ende gibt es noch Sonderpunkte in zwei Kategorien. Dauert ungefähr ne Stunde. Kleines Fazit: Feines Spiel mit wenig Neuem. Es erinnerte mich an eine Winzversion von Mesopotamien mit Ärgerpotenzial. Ich denke mit mehr Spielern wird der Konkurrenzkampf härter. Insgesamt ein schönes Spiel.
Wir wagten einen Gang weiter eine Partie COLORS. Ein abstraktes Spiel, bei dem derjenige die Steine des Gegners klauen darf, der ein Dreieck aus den drei verschiedenen Farben bildet. Wer als erster vier gleichfarbige oder acht egalfarbige Steine geklaut hat gewinnt. Für mich ist das nix. Ich hab es nicht gerafft! Meine Frau fand es toll.
Unsere nächste Station war Lookout. Oder auch nicht. Da war, schlicht gesagt, die Hölle los! Die Stände daneben waren ebenso blockiert. Es ging in dem Gang fast nix mehr! Alle eine ausgedruckte E-Mail in der Hand. Na, dann besser warten...
Gegenüber gabs DDD Spiele. Ein freier Tisch! Also eine Partie URUK. In dem Spiel spielt man Erfindungen aus. Diese schaffen Sonderaktionen. Ziel der Sache ist es, Warenwürfel zu bekommen und damit über den Karten Dörfer zu bauen. Oder besser noch: Städte. Diese werden im Spielverlauf immer teurer. Doch sie benötigen wir für die Siegpunkte. Bei den höchstens fünf ausgelegten Karten, wird oberhalb eine Siedlung gebaut und entweder gibt es einfache Punkte der Karte bei Dörfern (Kartenwerte zwischen 1 und 4) oder doppelte Punkte bei Städten. Es gibt viele verschiedene Wege seine Handkarten und seine Sonderaktionen zu nutzen um zum Ziel zu gelangen während man sich spieltechnisch durch vier Zeitalter der Menschengeschichte bewegt. Die Erfindungen werden immer besser und die Aktionen mächtiger. Am Ende ist es knapp. Ein recht großes Spiel in kleiner Schachtel! Aber warum gibt es die Würfel- und Kartenfarben Rot und Rosa? Hätte man doch besser eine leichter zu unterscheidende vierte Farbe währlen sollen. Aber daran scheitert dieses tolle Spiel nicht.
Bei Pegaus wollten wir uns mal TATORT THEMSE ansehen, nachdem mich der Preis von Brass, äh, KOHLE etwas abgeschreckt hat. 39€ sind am Pegasus-Stand zu berappen. Das kleine Kartenspiel von Rainer Knizia (der mir übrigens auf der Toilette begegnet ist, genau wie Herr Czarne) scheint mir aber nicht so dolle. Aus einer Auslage von Spurenkarten müssen wir uns wühlen und dies schaffen wir durch simples nachziehen einer einzigen Karte pro Runde. So viele Karten einer Farbe auslegen, wie aufgedruckt, schon ist sie unser. Eine von fünf Farben wird nicht gewertet (die, die als letztes in der Auslage liegen bleibt) und derjenige, der die Mehrheit in einer Farbe hat, der erhält noch eine Bonuskarte. Das Thema Krimi hat hier gar nichts zu melden. Das Spiel ist zu zweit nicht so dolle. Ich würd eher sagen: Ab in die Themse damit...
Danach nochmal den Weg zu Lookout gesucht. Ich dachte ja, dass ich LE HAVRE heute abholen muss, weil ich in der Vorbestellung angegeben habe, dass ich es heute mache. Daher haben wir uns schlußendlich doch noch angestellt.
So, ich hoffe, ich konnte euch ein paar interessante erste Eindrücke vermitteln. Ich habe den Text nicht mehr korrekturgelesen, weil ich jetzt dringend pennen muss. Morgen ist wieder Messe...
Tag 2
Okay, es ist spät. Ich halte mich heute etwas kürzer. Zuerst gab es eine Runde IT'S ALIVE. Fragt mich nicht mehr wie der Verlag hieß. [Anmerkung 12.05.2009: Reiver Games] Ein witziges, kleines Versteigerungsspiel in dem ich acht Körperteile zu meinem Frankenstein sammle. Wer zuerst hinter dem Schirm alle Teile beisammen hat schreit: "It's alive!!!" und gewinnt. Fazit: Nettes, kleines Spielchen, mit für den Gehalt relativ umständlichem Versteigerungsmechanismus. Am Ende ist es ein Wettlaufen. Da man nicht weiß, was die anderen noch brauchen, weiß man eh nie genau wie weit die sind. Oder man merkt es sich, worauf ich heute keine Lust hatte...
Ein paar Meter weiter gab es BALANCE DUELS zu spielen. Sehr witziges Waage-Spiel bei dem man mit seinen Figuren einmal im Kreis ziehen muss um in eine Endzone zu gelangen. Quasi Mensch Ärger Dich Nicht auf einer Waage. Wer die Waage aufliegen lässt verliert, ansonsten gewinnt derjenige, der als erster Alle Figuren auf sie andere Seite gezogen hat. Sehr schönes Spiel, wenn auch das Material nicht überzeugen konnte. Auf dem Bild muss ich (schwarz) von rechts nach links rüber. Es geht im Uhrzeigersinn (auf dem kleinen, weißen Zettel sieht man die Zugrichtung). Meine Frau muss mit gelb von links nach rechts. Sie gewann die Partie...
Danach eine Einführungsrunde SATOR (Verlagsname habe ich vergessen). [Anmerkung 12.05.2009: Ganzer Name ist "Sator Arepo Tenet Opera Rotas" - von Scribabs] Das erste, was die Dame frage:"Do you know Tetris?" Ich wollte gleich wieder aufstehen... Aber das Spiel ist doch sehr gut. Man sammelt Bücher, die nach einem bestimmten System auf dem Brett verteilt werden. Sind einmal die Laufwege (die Tetristeile) ausgelegt, geht das eigentliche Spiel los. Mit einem Mönch versuche ich meine Bücher einzusammeln. Dazu benutze ich Karten um die Laufwege zu bewegen oder zu rotieren. Mir stehen sechs Aktionspunkte zur Verfügung, die ich auf Karten verteile. Die Anzahl gespielter Karten gibt meine Schrittlänge an. Ein sehr guter und trickreicher Knobelmechanismus. Wie weit man Einfluß nehmen kann, läßt sich nach einer Probepartie nicht genau sagen. Es scheint aber ganz gut zu sein. Außerdem ist es wunderschön gestaltet.
Heute keine Spielepromis auf der Toilette getroffen...
Tag 3
Heute war dann wohl unser letzter Messetag. Wir sind beide ziemlich groggy. Zudem sind die Wochentage der Messe doch um einiges entspannter als die Wochenendtage. So sparen wir uns den Sonntag...
Heute wollten wir nochmal den kleineren Dingen eine Chance geben, die an den ersten beiden Tagen zu kurz gekommen sind. Zuerst sind wir in Halle 4 zu Parland gegangen. Dort ist uns gestern VIAMALA aufgefallen. Dort war aber zuviel los, so sind wir heute hingegangen. Es handelt sich um ein wirklich liebevoll aufgemachtes Spiel. Der Karton ist sehr schön gestaltet und beherbergt die Punkteleiste. Wir bauen eine Straße durch ein Tal in der Schweiz. Mit einem Würfel. Straßenplättchen zeigen Würfelaugen. Eine gewürfelte fünf läßt uns beispielsweise ein Plättchen mit einer 1, und zwei mit einer 2 darauf bauen. Oder ein Plättchen des Wertes 5. Man muss in diesem Spiel immer den Würfelwurf genau benutzen können, sonst verfällt die Aktion. Dann haben wir drei kleine Wägelchen, mit denen wir sechs Waren von einem Ort am Anfang der Straße zum noch zu bauenden Ort am Ende der Straße bringen müssen. Die Waren haben die Wertigkeiten von 1 (das ist Käse) bis 6 (was Edelsteine sind). Alles funktioniert mit Würfeln. Einladen, bewegen, auslanden. Ist der Zielort gebaut (alle Plättchen müssen liegen) können wir auch die Waren ausladen. Punkte gibt es entsprechend ihrem Wert. Auf dem Weg müssen wir uns vor Unwetter in Acht nehmen. Ein Ereigniswürfel zeigt in jedem Zug das Wetter an. Auf den Plättchen sind aber Möglichkeiten uns vor dem Wetter zu schützen: Ein Zelt schützt vor Regen, eine Brücke vor Hochwasser. Außer den 1er-Straßenplättchen, die bieten keinen Schutz. Wer seine Wagen nicht vor dem Wetter schützen kann, muss bis zu dem Plättchen zurück, dass Schutz bietet. Oder ganz zurück. Also müssen wir die Strecke von Anfang an so planen, dass sie sich gut zurücklegen läßt. Das 6er-Plättchen bietet den meisten Schutz und sollte auf halber Strecke liegen, damit man nach der Hälfte einigermaßen sicher ist. Wer es schafft, Waren im Wert von 40 Punkten zu transportieren, der gewinnt.
Das Spiel ist angeblich "ideal für zwei Spieler". Läßt sich aber auch zu dritt oder viert spielen, zu viert auch in einer Teamvariante. Das Material ist wirklich sehr genial! Die Waren sind kleine Stäbchen und werden in die Wägen gesteckt. Übrigens kommen gelieferte Waren aus dem Spiel, sodaß es zum Ende hin enger wird! In meinen Augen handelt es sich bei dem Spiel um ein Kleinod! Es ist sehr schön gestaltet und macht wirklich superviel Spaß! Man sollte aber keine große Strategie dahinter vermuten. Der Würfel entscheidet über Glück und Pech. So lief unser Testspiel am Anfang für mich sehr schlecht, weil ich nicht das passende Ergebnis gewürfelt habe. Am Ende hab ich durch ein paar gute Würfe aufgeholt und mit einem Punkt verloren. Ich sollte noch die Sonderkarten erwähnen, mit denen man Würfe um einen oder zwei verändern kann (wie bei Shanghaien). Oder beim entladen den Wert von Käse oder Leder verdoppelt (das sind die Waren im Wert von 1 und 2). Oder den Raubüberfall, mit dem man eine Ware stibitzen kann. Also, man kann das Glück auch etwas formen. Wirklich ein Tipp von mir!
[Anmerkung 12.5.2009: Zu diesem Spiel habe ich mittlerweile eine ausführliche Rezension geschrieben: Viamala-Renzension]
Ich fand das Spiel erst umständlich, dann sehr spannend, schließlich elegant. Ein reines Kartenspiel, aber es spielt sich fast wie ein Brettspiel. Nur muss man das Brett hier irgendwie im Kopf haben. Ein paar Elemente kennt man aus anderen Spielen, ansonsten ist das ein schönes Spiel um Mehrheiten. Allerdings fand ich dieses Kontrukt "Auf See sein" und "Am Markt im Heimathafen handeln" anfangs sehr irritierend. In meinen Augen eher ein Spiel für geübtere Spieler. Uns hat es sehr gut gefallen!
Nach einer Weile haben wir am Ravensburgerstand doch tatsächlich nette Leute gefunden, die uns ihren Tisch überlassen haben. Also stand DIAMONDS CLUB auf dem Programm. Schon mal vorweg: Ein geniales Spiel! Klasse! Es zu erklären würde mir jetzt den Schlaf rauben. Ein kurzer Abriss: Man setzt seine Münzen auf dem Spielbrett ein und erhält Schürfrechte, Schiffe um Edelsteine zu transportieren und Minen in den Edelsteinfarben. Oder man erhält Tierplättchen (es gibt drei verschiedene). Oder Man kann sich in der Fortschrittstabelle verbessern. Oder man rückt im Kampf um den Startspielervorteil nach vorne. Das Einsetzsystem ist pfiffig und erinnert meiner Meinung nach nicht an Goa. Das Spielfeld kann beliebig nach Spieleranzahl gestaltet werden. Das ist gut! Nun kann man Edelsteine bekommen. Dazu setzt man eine Kombination aus Minenplättchen, Schiffsplättchen und Schürfrechtplättchen ein. Für jede Mine, die man benutzen will, braucht man ein Schürfrecht und ein Schiff. Man bekommt Edelsteine je nach Höhe der aufgedruckten Werte. Danach wird gebaut. Es gibt vier Gebäudetypen und Wald. Diese (und die Tierplättchen, die es aber nur in der Einsetzphase gibt) werden auf dem Spielertableau gesammelt. Ein netter Mechanismus sortt für Interaktion bei bauen. Denn ein Gebäude wird teurer, wenn andere Spieler es vor mir bauen. Dann beginnt die Runde erneut und zwar so lange, bis ein Spieler 14 oder mehr Felder auf seinem Tableau hat. Nun gibt es Siegpunkte. Für Gebaude, Wälder, Tierplättchen, Entwicklungsleiste und Bonusplättchen. Diese geben Siegpunkte, wenn man als erster drei Brunnen gebaut hat. Oder als erster alle vier Gabäudearten verbaut hat. Oder als erster fünf Gabäude eines Typs gebaut hat. Etc. Am Ende gewinnt, wer die meisten Punkte und so den prestigeträchtigsten Garten hat. Das Spiel hat viele verzahnte Elemente, ist dabei aber sehr leicht zu spielen. Damit meine ich wenig Regelwerk. Ich habe die Regel in einer Viertelstunde gelesen und das Spiel dann in zehn Minuten meiner Frau erklärt. Und wir konnten direkt losspielen. Es war eine spannende Partie mit 72 zu 69 für sie. Schön verzahnte Mechanismen in einem her leichteren Spiel. Tolle Sache!
Mein Fazit der Messe
Es waren tolle drei Tage! Wir haben viel gespielt, waren Fairplay-Scouts, und haben jede Menge Spiele gekauft.
Bei Lookout gab es ein leckeres Getränk! Agri-Cola! Das Erlös aus dem Verkauf geht an ein landwirtschaftliches Projekt in Äthiopien.
Die Messe hat insgesamt wieder Kraft gekostet. Und jetzt besteht die Vorfreudfe aufs Regelstudium und die vielen kommenden Spieleabende. Zum Schluß nochmal der Brüller des Wochenendes für mich. Auf dem Weg zum Parkhaus sieht man überall Plakate für eine Teddy-Ausstellung. Ich musste es einfach knipsen! Mein erster Gedanke (schon Freitag, aber das Bild ist von heute) war: "Wer hat hier eigentlich überall diese Nazi-Teddys hingehängt?" :-)))



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