In diesem Jahr haben die Messeveranstalter allerdings eine räumliche Umgestaltung vorgenommen, denn die PGA fand diesmal nicht mehr im zweistöckigen Pavillon 15 des Posener Messegeländes statt, sondern versammelte alle Attraktionen in der größeren Halle 5. Dies hatte sowohl Vor- als auch Nachteile. Als Vorteil kann gelten, dass sich die Besuchermassen besser verteilen und man sich zudem von der Galerie aus einen schönen Überblick über das ganze Geschehen verschaffen kann, während im alten Pavillon immer furchtbares Gedränge im zweiten Stock bei den Computer- und Konsolenspielen herrschte und unten bei den nicht-elektronischen Spielen meist wenig Betrieb war. Es gilt zwar noch immer, dass die zu 99% jungen männlichen Besucher hauptsächlich den Bereich mit den PC-Spielen stürmen, doch schien mir diesmal auch mehr Interesse an den Brettspielen zu herrschen. Das mag natürlich auch daran gelegen haben, dass mit Mitgliedern des Posener Spieleclubs Gramajda sehr gute Spielererklärer bereit standen, um Interessierten diverse Spiele aus dem Sortiment der Spieleladenkette Bard zu erläutern – darunter auch deutschen Spielern Wohlbekanntes wie „Haste Bock?“ oder „Manila“.
Für die Konferenz erwies sich der Wechsel allerdings eher als negativ, da statt mehrerer Räume in einem Seitentrakt wie in Pavillon 15 in Halle 5 nur eine aus Stellwänden errichtete Box auf der Galerie aufgebaut worden war. Da diese nach oben hin offen war, drang der gesamte Messelärm mit Musik und schreienden Moderatorenansagen ungefiltert durch.
Aber beginnen wir von Anfang an. Als ich mich gegen 10 Uhr dem Messegelände näherte, drängte sich bereits eine wogende Masse junger männlicher Wesen vor dem Eingang. Konferenzbeginn sollte um 10.15 Uhr sein, aber auf den ersten Blick schien es unmöglich, sich rechtzeitig bis dahin durchzuschlagen. Zwar war die Menge in ständiger Bewegung, aber vorwärts bewegte sich nichts. Dann jedoch entdeckte ich einen Seiteneingang zu einem Garderobenraum und darin bekannte Gesichter. Da die PTBG ihren Sitz am Institut für Angewandte Linguistik der Posener Universität hat, hilft jedes Jahr eine Reihe von Student(inn)en bei Organisation und Durchführung der Konferenz. Sie stehen an der Rezeption, verteilen Programme, informieren die Besucher und fungieren ggf. als Dolmetscher für ausländische Gäste. Und in diesem Fall schleusten sie auch die Konferenzteilnehmer durch einen Hintereingang um die vor den Haupttoren lauernde Masse herum in die Halle. Da die PGA erst um 10 Uhr ihre Pforten öffnete, konnte ich noch ungehindert an den verschlossenen Glastüren vorbei, hinter denen sich die ungeduldig Wartenden die Nasen platt drückten, zum Konferenzraum auf der Galerie gelangen und kurz darauf von diesem Logenplatz aus das Schauspiel der sich in die Halle ergießenden Flut spielebegeisterter Menschen beobachten. Der Run auf die besten Spiel-Plätze setzte ein, und damit stieg auch der Lärmpegel, unterstützt durch diverse Moderatoren auf verschiedenen Bühnen. – Und oben in der Konferenzbox versagte das Mikrophon.
Die Konferenz zieht um
Damit trat ein, was die Organisatoren der Konferenz angesichts der alles andere als schalldichten Konferenzbox, bereits befürchtet hatten: Man verstand kaum noch, was der eigene Nachbar sagte, geschweige denn was vorne gesprochen wurde. Selbst sofort zu Hilfe eilende Messe-Techniker bekamen das Mikro nicht wieder in Gang. Doch Polen wäre nicht Polen, wenn man angesichts solch einer Katastrophe nicht sagte „Coś kombinujemy.“ Dafür gibt es im Deutschen leider kein entsprechendes Wort, aber es bedeutet ungefähr so viel, wie „dann lassen wir uns halt etwas anderes einfallen“. Gesagt, getan. Und so wurde die Konferenz kurzerhand vom Messegelände an die Universität verlegt, und die hilfreichen Student(inn)en bekamen eine neue Aufgabe – nämlich den angereisten Gästen das Posener Straßenbahnsystem zu erläutern und sie sicher zum Institut für Angewandte Linguistik zu lotsen.
Dort begann das geplante Programm zwar mit einiger Verzögerung, die im Laufe des Tages jedoch wieder aufgeholt werden konnte. Gleichzeitig verhandelte Dr. Surdyk mit der Messeleitung über adäquatere Unterbringung, so dass am 2. Konferenztag wieder alles wie geplant auf dem zentral gelegenen Messegelände stattfinden konnte, und zwar dieses Mal in richtigen Konferenzräumen, ohne Lärmbelästigung und mit dem bestellten Catering in den Kaffeepausen.

Ludologisches
Zuletzt noch ein Wort zur inhaltlichen Seite der Konferenz. Als ludologische Gesellschaft befasst sich die PTBG natürlich mit allen Spielarten des Themas, so dass es Vorträge aus verschiedenen spielerischen Bereichen gab, darunter: Rollenspiele, Brettspiele, Lernspiele, neue Medien, Sport im Spiel und Spiel im Sport, Bücher als Spiele, sowie soziologische und sprachwissenschaftliche Ansätze. Darüber hinaus fand ein Wettbewerb zum Thema Logikspiele statt, und es fehlte auch nicht an allgemeinen Informationen zur Rolle des Spiels in der heutigen Gesellschaft und dem Status der Ludologie als wissenschaftliche Disziplin.
Insgesamt ein breites Spektrum mit ca. 40 Vorträgen (jeweils à 20 Minuten), die an den beiden Konferenztagen zum Teil in zwei parallel laufende Sektionen unterteilt waren, so dass man meist die Wahl zwischen zwei Themengebieten hatte.
Zum Thema Brettspielen dürfte für meinen Geschmack gerne im nächsten Jahr noch mehr dabei sein, und auch ausländische Gäste sind herzlich willkommen. Dieses Jahr waren die Dolmetscher leider etwas unterbeschäftigt, zumal es angesichts ständig wechselnder Visabedingungen in Afrika die Gruppe des Gesundheitsministeriums aus Ghana, die bereits im letzten Jahr mit einem von ihnen entwickelten Brettspiel zur Gesundheitsaufklärung teilgenommen hatten, diesmal entgegen ihrer Planung nicht geschafft hatte anzureisen.
Dennoch war es alles in allem eine gelungene Konferenz und selbst der erzwungene Umzug wurde mit Humor genommen – wie unsere fast blinde Teilnehmerin zum Abschluss bemerkte: „Das war das interessanteste Live Action Roll Playing, an dem ich seit langem teilgenommen habe.“
Für die Konferenz erwies sich der Wechsel allerdings eher als negativ, da statt mehrerer Räume in einem Seitentrakt wie in Pavillon 15 in Halle 5 nur eine aus Stellwänden errichtete Box auf der Galerie aufgebaut worden war. Da diese nach oben hin offen war, drang der gesamte Messelärm mit Musik und schreienden Moderatorenansagen ungefiltert durch.
Squirrel beim Schafehüten
Die PGA öffnet ihre ToreAber beginnen wir von Anfang an. Als ich mich gegen 10 Uhr dem Messegelände näherte, drängte sich bereits eine wogende Masse junger männlicher Wesen vor dem Eingang. Konferenzbeginn sollte um 10.15 Uhr sein, aber auf den ersten Blick schien es unmöglich, sich rechtzeitig bis dahin durchzuschlagen. Zwar war die Menge in ständiger Bewegung, aber vorwärts bewegte sich nichts. Dann jedoch entdeckte ich einen Seiteneingang zu einem Garderobenraum und darin bekannte Gesichter. Da die PTBG ihren Sitz am Institut für Angewandte Linguistik der Posener Universität hat, hilft jedes Jahr eine Reihe von Student(inn)en bei Organisation und Durchführung der Konferenz. Sie stehen an der Rezeption, verteilen Programme, informieren die Besucher und fungieren ggf. als Dolmetscher für ausländische Gäste. Und in diesem Fall schleusten sie auch die Konferenzteilnehmer durch einen Hintereingang um die vor den Haupttoren lauernde Masse herum in die Halle. Da die PGA erst um 10 Uhr ihre Pforten öffnete, konnte ich noch ungehindert an den verschlossenen Glastüren vorbei, hinter denen sich die ungeduldig Wartenden die Nasen platt drückten, zum Konferenzraum auf der Galerie gelangen und kurz darauf von diesem Logenplatz aus das Schauspiel der sich in die Halle ergießenden Flut spielebegeisterter Menschen beobachten. Der Run auf die besten Spiel-Plätze setzte ein, und damit stieg auch der Lärmpegel, unterstützt durch diverse Moderatoren auf verschiedenen Bühnen. – Und oben in der Konferenzbox versagte das Mikrophon.
Die Konferenz zieht um
Damit trat ein, was die Organisatoren der Konferenz angesichts der alles andere als schalldichten Konferenzbox, bereits befürchtet hatten: Man verstand kaum noch, was der eigene Nachbar sagte, geschweige denn was vorne gesprochen wurde. Selbst sofort zu Hilfe eilende Messe-Techniker bekamen das Mikro nicht wieder in Gang. Doch Polen wäre nicht Polen, wenn man angesichts solch einer Katastrophe nicht sagte „Coś kombinujemy.“ Dafür gibt es im Deutschen leider kein entsprechendes Wort, aber es bedeutet ungefähr so viel, wie „dann lassen wir uns halt etwas anderes einfallen“. Gesagt, getan. Und so wurde die Konferenz kurzerhand vom Messegelände an die Universität verlegt, und die hilfreichen Student(inn)en bekamen eine neue Aufgabe – nämlich den angereisten Gästen das Posener Straßenbahnsystem zu erläutern und sie sicher zum Institut für Angewandte Linguistik zu lotsen.
Dort begann das geplante Programm zwar mit einiger Verzögerung, die im Laufe des Tages jedoch wieder aufgeholt werden konnte. Gleichzeitig verhandelte Dr. Surdyk mit der Messeleitung über adäquatere Unterbringung, so dass am 2. Konferenztag wieder alles wie geplant auf dem zentral gelegenen Messegelände stattfinden konnte, und zwar dieses Mal in richtigen Konferenzräumen, ohne Lärmbelästigung und mit dem bestellten Catering in den Kaffeepausen.
Ludologisches
Zuletzt noch ein Wort zur inhaltlichen Seite der Konferenz. Als ludologische Gesellschaft befasst sich die PTBG natürlich mit allen Spielarten des Themas, so dass es Vorträge aus verschiedenen spielerischen Bereichen gab, darunter: Rollenspiele, Brettspiele, Lernspiele, neue Medien, Sport im Spiel und Spiel im Sport, Bücher als Spiele, sowie soziologische und sprachwissenschaftliche Ansätze. Darüber hinaus fand ein Wettbewerb zum Thema Logikspiele statt, und es fehlte auch nicht an allgemeinen Informationen zur Rolle des Spiels in der heutigen Gesellschaft und dem Status der Ludologie als wissenschaftliche Disziplin.
Insgesamt ein breites Spektrum mit ca. 40 Vorträgen (jeweils à 20 Minuten), die an den beiden Konferenztagen zum Teil in zwei parallel laufende Sektionen unterteilt waren, so dass man meist die Wahl zwischen zwei Themengebieten hatte.
Zum Thema Brettspielen dürfte für meinen Geschmack gerne im nächsten Jahr noch mehr dabei sein, und auch ausländische Gäste sind herzlich willkommen. Dieses Jahr waren die Dolmetscher leider etwas unterbeschäftigt, zumal es angesichts ständig wechselnder Visabedingungen in Afrika die Gruppe des Gesundheitsministeriums aus Ghana, die bereits im letzten Jahr mit einem von ihnen entwickelten Brettspiel zur Gesundheitsaufklärung teilgenommen hatten, diesmal entgegen ihrer Planung nicht geschafft hatte anzureisen.
Dennoch war es alles in allem eine gelungene Konferenz und selbst der erzwungene Umzug wurde mit Humor genommen – wie unsere fast blinde Teilnehmerin zum Abschluss bemerkte: „Das war das interessanteste Live Action Roll Playing, an dem ich seit langem teilgenommen habe.“



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