Nach dem Kühe- bzw. Pferdestehlen bei Táin und Mustang verfolgt uns das Thema Viehdiebstahl auch im Urlaub weiter. Kaum waren die beiden polnischen Spiele wieder in die Schachtel gepackt, hieß es etwas anderes zu packen – nämlich die Koffer für einen kleinen Urlaub in England. Natürlich zu Besuch bei polnischen Bekannten, die sich in der Woche unseres Aufenthaltes von Gelegenheits- in Vielspieler verwandelt zu haben scheinen; es verging jedenfalls fast kein Abend ohne Spiel. Die meisten davon deutscher Herkunft, aber etwas genuin Englisches sollte doch auch dabei sein. Die Jagd nach einem ansprechenden britischen Brettspiel gestaltete sich allerdings schwieriger als das Einfangen von Mustangs – zumal wir den einzigen echten Spieleladen Oxfords erst am letzten Abend nach Ladenschluss aufspürten. Aber ein Souvenir haben wir doch erbeutet, dass britischer kaum sein könnte, nämlich Fleeced, in dem sich die bekanntesten Figuren aus der Wallace&Gromit-Serie auf die Jagd nach der wertvollsten Herde machen. Diesmal geht es aber weder um Kühe noch Pferde, sondern um Schafe.Diese Tiere überwältigen den Betrachter bereits auf dem Spielecover, auf dem die wogende Wolle gut die Hälfte der Fläche ausfüllt und scheinbar sogar aus der Schachtel auszubrechen droht. Inmitten der Massen versuchen Herr und Hund das Treiben unter Kontrolle zu bringen und wirken nicht so, als empfänden sie gerade „A Shear delight“. Wortspielereien wie diese sind einer der Spaßfaktoren in Fleeced und finden sich nicht nur auf der Verpackung, sondern auch in der Spielanleitung sowie überall auf dem Spielplan versteckt. Auch damit steht das Spiel in direkter Verbindung zu den Wallace&Gromit-Filmen, aber in erster Linie sind es natürlich die bekannten Charaktere sowie die seit „Unter Schafen“ allseits beliebten glupschäugigen Weidetiere, die zum Spielen einladen. In dieser Hinsicht hat es die Schachtel (die selbst leider aus etwas zu dünner, knickanfälliger Pappe gefertigt ist) in sich: Nimmt man den Deckel ab, fällt das Auge zunächst auf eine Zeitung, „The Daily Bleat“, mit großer Schlagzeile und Photo der verschwundenen Schafe. Der Leitartikel enthüllt das Geschehen und führt ins Spiel ein: Viehdiebstahl bedroht die Gegend um West Wallaby Street, und eine Horde Schafe hat Zuflucht in verschiedenen Gebäuden der Stadt gesucht. Diese „Sheep Hideouts“ müssen von Wallace&Co. zugänglich gemacht, die 40 Schafe nach und nach aufs Village Green getrieben und von dort nach Hause geführt werden. Darum, wer welche und wie viele Schafe am Ende sein eigen nennen kann, geht es in Fleeced. Die Spieler spielen mit liebevoll gestalteten Figuren von Wallace, Gromit, Wendolene und Shaun dem Schaf sowie den eher finsteren Charakteren Preston und Feathers. Während Preston die Schafe in seine Hundefutterfabrik lenken und der Pinguin Feathers sie gar in Klebstoff verarbeiten will, geleiten die übrigen Figuren ihre Schafe nur jeweils ins eigene Reich (Shaun auf sein eigenes Feld, Wallace und Wendolene jeweils in ihren Käse- bzw. Wollladen und Gromit einfach ins eigene Zuhause).
Nun aber alles ausgepackt – die erste Testrunde. Mitspieler Adam war zu Spielbeginn bereits ziemlich müde und somit etwas in Sorge: „Oh Gott, Schäfchen zählen!“ Doch diese Befürchtung erwies sich später als unbegründet, denn nach einem etwas zähen Beginn wurde das Spiel gegen Ende sehr lebhaft und bot viel Anlass zu Gelächter. Und außerdem gibt es ja die Schafspfeifen, die eventuell unter den Tisch zu sinken drohende Mitspieler wieder aus dem Reich der Träume reißen können – sofern man sie denn benutzt. Hinsichtlich der dünnen Wände englischer Wohnungen haben wir aus Rücksicht auf die Nachbarn darauf verzichtet, da die Pfeifen an sich kein unentbehrlicher Bestandteil des Spiels sind. Sie stellen eher einen zusätzlichen Gimmick dar, der besonders Kindern Freude bereiten dürfte. (Über hygienische Fragen bei wechselnden Mitspielern soll an dieser Stelle hinweggegangen werden.)
Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei Fleeced um ein Würfellaufspiel, bei dem die Spieler an ihren jeweiligen Heimatplätzen starten und Richtung Village Green im Zentrum des Spielplans laufen. Man würfelt mit einem Würfel und zieht die entsprechende Schrittzahl (bei einer 6 darf man noch einmal würfeln). Landet man dabei auf einem Käsefeld, zieht man eine Karte vom Käsestapel, die gewöhnlich etwas Positives bringt – z.B. würfeln mit 2 Würfeln statt einem, sich auf ein beliebiges Feld oder ein beliebiges Käsefeld stellen oder Schlüsselkarten. Letztere sind wichtig, um die Schafe aus ihren Verstecken zu locken. Zu Beginn des Spiels werden sieben weiße Schafe auf die sieben Gebäude rund ums Village Green gestellt (nicht aber auf das achte, das die Polizeistation darstellt, in der man landet und eine Runde aussetzt, wenn man entweder beim Schafstehlen erwischt worden ist oder mehr als dreimal hintereinander eine 6 bzw. mit zwei Würfeln einen Pasch gewürfelt hat). Erreicht ein Spieler mit seiner Figur ein Schlüsselfeld vor einem der Gebäude und spielt die entsprechende Schlüsselkarte aus, wird das Schaf auf dem Gebäude in den Beutel beworfen und eine Karte aus der Sheep-Hideout-Box gezogen. Darauf steht, wie viele Schafe sich in diesem Gebäude versteckt haben (wobei es eine Karte gibt, die besagt, dass das Versteck bereits von der Polizei geräumt worden ist und man selbst eine Runde in der Polizeistation aussetzen muss). Die angegebene Anzahl zieht der Spieler nun blind aus dem Beutel und stellt die Schafe, ohne sich ihre Unterseite anzusehen, aufs Village Green, von wo aus er per Würfelwurf sofort alle oder einen Teil der Herde ins Schlepptau nehmen kann. Mit ihnen versucht er dann, sein Zuhause zu erreichen – erst dort darf er schauen, welcher Wert auf der Unterseite der Tiere abgebildet ist. Bei den weißen Schafen variiert diese Zahl zwischen 1 und 3, die selteneren grauen und schwarzen Schafe haben dagegen einen festen Wert, nämlich 4 bzw. 6.
Der Weg nach Hause ist allerdings nicht ungefährlich, denn andere Spieler können die Herde abfangen und sie dem Mitspieler entwenden. Es ist außerdem erlaubt, Schafe sich selbst zu überlassen, wenn sich anderswo die Möglichkeit ergibt, eine größere (oder wertvollere) Herde in seinen Besitz zu bringen. Verlassene Schafe oder übrig gebliebene, wenn ein Mitspieler einem anderen nur einen Teil der Herde entwenden kann, kehren stets sofort zum Village Green zurück, wo sie jeder beliebige Spieler aufgreifen kann. Will man Schafe ins Schlepptau nehmen bzw. führt man sie bereits, muss man laut Spielregel jedes Mal in seine Pfeife blasen. Vergisst man es, laufen einem die Schafe davon (zurück aufs Village Green) und man selbst setzt eine Runde im Gefängnis aus. Außerdem kann man im Gefängnis landen, wenn man, während man Schafe stiehlt, eine Käsekarte zieht, auf der ein Polizist abgebildet ist: Hard Cheese! Erwischt beim Viehdiebstahl.
Insgesamt ist das Spiel relativ einfach und somit sehr gut als Kinder- bzw. Familienspiel geeignet. Zu kleineren Mängeln zählt, dass die zwar angenehm kurze Anleitung, deren erste Seite auch sehr schön aufgemacht ist, ansonsten eher unübersichtlich anmutet – es gibt keine Bilder, alles in schwarz-weiß mit (zu) viel Fettdruck und nicht alle Fragen sind geklärt. So waren wir uns beispielsweise nicht sicher, ob man Käsekarten bekommt, wenn man bei dem Wurf mit zwei Würfeln - z.B. 3 und 6 - nach (hier) 3 bzw. 6 Schritten auf einem Käsefeld landet, oder ob nur die Gesamtsumme (in diesem Fall 9) gezählt wird. Abgesehen davon passierte es öfter, dass Schafe, die in noch nicht geöffneten Verstecken warteten, mit den laufenden verwechselt und mitgenommen wurden, was für einige Verwirrung sorgte. Wie bereits erwähnt, war die Anfangsphase auch nicht besonders spannend – interessant wird das Spiel erst, wenn die ersten Schafverstecke geöffnet sind und sich die Herden über den Spielplan bewegen. D.h. es ist wichtig, dass die Schlüsselkarten möglichst früh auftauchen. Potentiell kann sich das Spiel zudem endlos hinziehen, wenn sich die Spieler ständig gegenseitig die Schafe abspenstig machen (eine Spieldauer ist folgerichtig auf der Schachtel auch nicht angegeben), was gerade bei hoher Spielerzahl der Fall sein kann. Spielt man hingegen zu zweit, kommt die Interaktion eher zu kurz. Uns erscheint daher eine Mitspielerzahl von 3 bis 5 Personen als am besten geeignet.
Seinen Reiz hat dieses Würfellaufspiel in erster Linie in der ansprechenden Gestaltung und dem Wiedererkennungseffekt – gerade für Wallace&Gromit-Fans ist es quasi ein Muss, zumal es auch von Nick Park selbst entwickelt worden ist (der hiermit wohl seine ersten Schritte in die Brettspielewelt getan hat). Die Idee eines Wallace&Gromit-Spiels hat uns sehr gefallen – gerade mit den schon in den Filmen überaus sympathischen Schafen (dass sie inzwischen eine eigene Serie haben, zeigt deutlich, dass sie auch ohne Wallace&Gromit ihre eigene Fan-Gemeinde gewonnen haben), obwohl man sicher noch etwas mehr daraus hätte machen können. Glück spielt eine sehr große Rolle (gerade beim Würfeln), strategische Möglichkeiten sind dagegen eher begrenzt: Wann greife ich an, wann nutze ich eine Käsekarte? Betrete ich beim Schafeführen ein Käsefeld oder nicht – es könnte ja ein Polizist darunter sein… - dieser Fall, dass einmal jemand von der Polizei beim Schafstehlen erwischt worden wäre, trat allerdings bei unseren bisherigen Spielrunden noch nie ein, so dass man sagen könnte, es gibt zu wenig Polizisten. Andererseits haben Polizei-Karten keine Wirkung, wenn Spieler sie aufdecken, die keine Schafe bei sich haben. Diese ziehen dann eine neue Karte – zu viele (unnütze) Polizeikarten würden also eher den Spielfluss behindern.

Ein abendfüllendes Spiel für Vielspieler ist Fleeced sicherlich nicht – sofern sie nicht zur Fangemeinde gehören - doch können sowohl das ansprechende Design und die liebevoll gestalteten Spielfiguren zu einer Partie verführen wie auch die appetitlichen Schafe (Tipp am Rande: Während des Spiels keine Trüffelpralinen essen – es könnte zu Verwechslungen kommen!). Kinder hingegen werden auf jeden Fall Spaß am Spiel und auch unabhängig davon am Spielmaterial haben. Pfeifen, Figuren und Schafe laden garantiert zu eigenen Spielphantasien ein.
Spiellust-Punktometer
Fleeced
Gesamtnote: 6/10
Strategie /Taktik: 2/10
Glücksfaktor: 8/10
Interaktion: 7/10
Material: 9/10
Preis-Leistungs-Verhältnis: 8/10
Spielinfos:
Titel: Fleeced
Spielerzahl: 2-6
Alter: ab 8
Spieldauer: keine Angabe
Verleger: Cards Inc.
Autoren: Nick Park
Spielregel: englisch
Spielmaterial:
* 1 Spielplan
* 6 Spielfiguren
* 6 Pfeifen
* 1 Beutel mit 40 Schafen in drei Farben
* 50 Käsekarten
* 7 Schafversteckkarten
* 1 Schafversteckkartenbox
* 2 Würfel
* Spielregeln in englischer Sprache



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Czy masz zamiar zamieścić tą recenzję po polsku? Chętnie bym ją przeczytał.
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